Hans D. Baumeister

Hans D. Baumeister

Umsatzsicherheitsmaßnahme

Irre. Hat man eine Nagelschere im Handgepäck, bekommt man die beim Sicherheits-Check abgenommen. Mir wurde auch schon einmal ein Mikro-Schraubenzieher aus Sicherheitsgründen abgenommen... man kann darüber sicherlich diskutieren, aber sei’s drum - klar, ich könnte theoretisch vielleicht mit einer Nagelschere ein Flugzeug kapern.

Gleich nach dem Sicherheits-Check am Frankfurter Flughafen (Terminal 1A) ist der Duty-Free Laden (wo man u.a. die eben weggeworfene Wasserflasche für 2,50€ neu kaufen darf).

Dort gibt es dann diese Auswahl:

NagelscherenFRA

Ich meine auch irgendwo Schweizermesser gesehen zu haben, kann mich aber täuschen...

Die einzige Sicherheit, die das bringt, ist der zusätzlich gesicherte Umsatz im Duty Free. Ich meine, das ist einen Leserbrief an die FAZ wert...
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Christliche Moschee? Laut Plan in Berlin!

Gefunden auf Stadtplan im Hauptbahnhof Berlin, eine mit einem Kreuz markierte Moschee:

StadtplanBerlin1

Definitiv nicht das richtige Symbol:
StadtplanBerlin2

Oder wurde hier eine Umnutzung durchgeführt, wie bei der Hagia Sophia in Istanbul?

Wenn das keinen Ärger gibt...
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Esotherischer Unfug in der Diakonie

Gestern Nacht habe ich im “Hotel am alten Park” in Augsburg übernachtet. Es war ein Versuch, da ich dieses Hotel zum ersten Mal in HRS gefunden hatte. Der Träger des Hotels ist die Evang. Diakonissenanstalt Augsburg Körperschaft des Öffentlichen Rechts (siehe Impressum).

Beim Frühstück war ich dann doch eher überrascht und irritiert, dieses Schild hinter dem Wasserkrug zu finden:

Grander

Falls das Bild schlecht lesbar sein sollte, hier der wesentliche Teil, verbatim:

Das Leitungswasser in unserem Hotel wird nach dem Verfahren des österreichischen Naturforschers und Erfinders Johann Grander “belebt”. In der Hauptwasserleitung dieses Gebäudes befindet sich ein Wasserbelebungsgerät, welches in der Lage ist, edle Naturinformationen auf das durchfließende Leitungswasser zu übertragen.

Das Leitungswasser wird in die Lage versetzt, die Ur-Kraft und natürliche Ordnung wieder aufzubauen, sich zu regenerieren, sein Selbstreinigungsvermögen zu stärken und die Widerstandskraft des Wassers neu aufzubauen.

Die Website der Firma Grander geht sogar einen Schritt weiter und stellt in den Raum, dass das Wasser ein Immunsystem besitzt… In Wikipedia steht so einiges über den Herrn Grander und seine “Wasserbelebung”, z.B. dass wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Grander-Technologie zur „Belebung von Leitungswasser“ wirkungslos ist. Laut einem Urteil darf die Methode als “esoterischer Unfug” bezeichnet werden.

Somit darf mir die Frage gestattet werden, wie die Evang. Diakonissenanstalt Augsburg als Körperschaft des Öffentlichen Rechts (und somit der Bürger dieses Landes) sich auf solchen esoterischen Unfug einlässt und öffentliche Gelder für ein Wasserbelebungsgerät ausgibt.

In unserem Kindergarten (auch getragen von der Diakonie) wird forciert die Weihnachtsmann-Geschichte als Humbug und Märchen abgetan - zu Weihnachten hat nur das Christkind zu kommen. Und diese selbe Diakonie brüstet sich mit der “Belebung” von Wasser?

Ich frage mich, was die öffentliche Hand in Augsburg davon hält?
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Planet in Gefahr - Marketing im Umweltschutz

Folgender Artikel hat mich auf der einen Seite deprimiert, auf der anderen Seite irritiert:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wwf-studie-kritisiert-raubbau-an-der-natur-a-833141.html


Kommentare:

1) der WWF (in dem ich sogar mal Mitglied war) ist immer gut darin, die dramatischen Zustände der Natur darzulegen. Allerdings fehlt es immer an einer Aussage was notwendig wäre um das Problem zu lösen (oder zumindest in die richtige Richtung zu gehen). Zwar befürworte ich durchaus das auf Probleme hinweisen, aber ohne einen Lösungsansatz ist das relativ wertlos (sprich: primär deprimierend).

2) natürlich ist es aus Marketingsicht attraktiver, auf schwindende Arten auf dem Festland hinzuweisen. Viel dramatischer aber ist der Schwund in den Meeren, vor allem z.B. die der Gattung der Haie. Kürzlich sah ich einen Beitrag über das Thema: durch schwindenden Lebensraum, aber auch wegen unverhältnismäßiger Abschlachtung ist die Anzahl der Haie weltweit dramatisch im Rückgang. Was das für Auswirkungen hat zeigte eine recht einfach zu verstehende und logische Schlussfolgerung im Beitrag: effektiv gibt es kurzfristig einen Populationsboom des nächsten "Rang" in der Pyramide, z.B. Großfische, etc. Dieser Boom bewirkt, dass alle Schichten unterhalb dieser "Großwild"-Schicht in kürzester Zeit verschwindet, bis auch das "Großwild" im Ozean ausstirbt. Was überlebt sind Quallen und sonst fast nichts mehr. Was DAS für die Menschheit bedeutet ist - denke ich - verheerender als der Verlust von Tigern und Elefanten.

Es gibt meiner Meinung nach eigentlich nur 3 Möglichkeiten, um das Schlimmste zu verhindern:

1) die Anzahl der Menschen drastisch reduzieren
2) den "ökologischen Fingerabdruck" jedes Menschen zu reduzieren
3) über Technologie das Problem einschränken

Da der Punkt 1) bestenfalls durch eine Pandemie erfolgen wird (hoffen wir, dass das Problem sich nicht über einen weiteren Weltkrieg löst), sollten wir hoffen dass es nicht in diese Richtung geht.

Punkt 2 dürfte relativ unmöglich sein - wer möchte schon von seinem aktuellen Lebensstandard drastisch zurücktreten?

Sprich: die einzige Chance, die wir (bzw. folgende Generationen) haben ist über eine technologische Lösung. Es wird so oder so in diese Richtung gehen, denn: bekommen wir eine Lösung nicht hin, werden wir Hightech benötigen um in der "gekippten" Umwelt zu überleben…
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Die spinnen, die Bahner! (Tock Tock Tock)

Das hier dürfte die Krönung meiner langen „Bahnfahrkarriere” sein. Es ist Montag früh, 20 Dezember. Ich steige aus dem ICE von Karlsruhe in Mannheim aus, um in den ICE nach Köln umzusteigen. Ich traue meinen Augen nicht: die Anzeigetafel zeigt einen einteiligen ICE, mit den Wagen 21-28 an.

Eine (automatisierte) Lautsprecheransage bestätigt die Vermutung: die Bahn fährt den 8:35er ICE tatsächlich nur einteilig. Warum, darüber sind wir nicht wichtig genug etwas zu erfahren. Nicht nur fehlt die Hälfte des Zugs, er ist auch noch falsch herum gereiht.

Das Chaos am Bahnsteig ähnelt amerikanischem Slapstick aus den `30er Jahren. Die Leute fallen quasi über einander. Kurz durchzuckt mich die selbe Vision - in 20 Jahren, wenn Stuttgart 21 fertig ist. Sind die Bahnsteige tatsächlich so schmal wie von der Opposition angefochten, werden in einer solchen Situation Menschen sterben.

Die Menschen pressen sich in den Zug - im Inneren kommen einmal wieder die 100% Idioten zum Vorschein, die es schaffen, explizit
nicht den Gang weiter in die Mitte zu gehen, sondern am Ende des Wagens stehen zu bleiben - der Zustrom erliegt, die Spannung steigt.

Dann kommt das Bahn-Sahnehäubchen: als alle endlich im Zug sind, kommt ein Plädoyer der Zugleitung, Reisende nach Köln und Düsseldorf sollen doch bitte wieder aussteigen, um einen IC am Gleis gegenüber zu nehmen. Dies würde den mit Ziel Köln um mehr als eine Stunde zurücksetzen, aber so könne der ICE nicht losfahren.

Von meiner Perspektive aus hat sich redlich wenig getan, in Sachen Seitenwechsel. Ich persönlich, mit einer (zu diesem Zeitpunkt erreichen) Platzreservierung in der Mitte des Wagens, hätte auch keine Möglichkeit gehabt ohne Blessuren wieder auszusteigen.

Wenig später, vermutlich ohne größere Entlastung, ging es dann doch los.

Wer auch immer bei der Bahn die Entscheidung getroffen hat, diesen Zug um diese Zeit einteilig fahren zu lassen, gehört gefeuert. Man sieht, einmal wieder, die Bahn hat
keinen Plan B.

Anmerkung: zwischen Frankfurt Flughafen und Siegburg wurden wir dann endlich über die Gründe für die Zughalbierung informiert: „Triebzugmangel aufgrund der witterungsbedingten Störungen gestern”. Ich fasse es nicht.
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Bananenrepublik-Zustände am Karlsruher HBF

Bin ich eigentlich der Einzige, der sich über die Parkhaus-Situation am Karlsruher Hauptbahnhof aufregt?

Hier eine Email vom 13. Dezember an die vom Parkhaus-Wächter genannte Kontaktperson bei der Karlsruher Fächer GmbH, die anscheinend für die Parkflächen zuständig ist.

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Sehr geehrte Frau X,

ein Mitarbeiter im "Parkhaus-Kassenhäusle" des HBF nannte Sie als Ansprechpartner zu diesem Thema.

Als sehr häufiger Bahnfahrer (mindestens 4 Bahnreisen / Woche) erlebe ich im letzten Jahr den absoluten Gau in Sachen "Parken am Bahnhof".
Die Situation ist Ihnen sicherlich nicht unbekannt.
Die Parkhäuser sind fast jeden Tag und meist schon ab 7:45h, aber auch am Nachmittag, komplett belegt. Die einzige Alternative ist, sich, wie viele andere Betroffene, dem "Wildparken" anzuschließen. Hier wird man genötigt, entweder auf der Halteverbots-Fläche entlang der Einfahrt zu P1, oder aber auf der "freien Wiese" zwischen Einfahrt und Bahnhofsgebäude zu parken - bei letzterem wird mindestens das Fahrzeug, meist aber auch die Kleidung und das Gepäck grundlegend verschmutzt.

Heute hatte ich einmal wieder diesen Fall. Als ich aber über den Eingang des P1 zu den Gleisen lief, traute ich meinen Augen nicht: ich zählte mindestens 20 freie Parkbuchten alleine im Abschnitt von der Ein-/Ausfahrt bis zur Nordunterführung!

Da ich noch einige Minuten bis zur Abfahrt meines Zuges hatte, lief ich zum besagten "Kassenhäusle", um zu fragen wie es sein kann dass das Parkhaus "voll" sei (es wurden auch keine anfragenden Autofahrer reingelassen), aber so viele Parkbuchten frei wären. Mir wurde mitgeteilt, dass die Firma Sixt in diesem Parkhaus ca. 100 Stellplätze gemietet habe und da wäre nichts zu machen. Auf meine Frage, warum diese Sixt-Stellplätze nicht als solche gekennzeichnet wären (das wäre für viele Leute die das selbe sehen sicherlich eine willkommene Erklärung) erhielt ich lapidar die Antwort, "in Ihrer Garage haben Sie Ihre Plätze doch auch nicht gekennzeichnet".

Das war für mich nun der zündende Funken, der mir den Geduldsfaden durchtrennt hat...

Bitte teilen Sie mir mit, wie die Sachlage tatsächlich ist (ich kann mir kaum vorstellen dass Sixt das halbe Parkhaus mietet) und mit welcher Planung gegen das verheerende Parkplatz-Problem am Karlsruher Hauptbahnhof seitens der Betreibergesellschaft bzw. der Stadt vorgegangen wird.

Vielen Dank.

Freundliche Grüße,


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Die Antwort war, wie erwartet, fadenscheinig:

Sehr geehrter Herr Baumeister,
es tut uns leid, dass Sie solche Schwierigkeiten haben. Leider müssen wir
Sie mit der Beantwortung Ihrer Fragen noch um etwas Geduld bitten,, da die
zuständige Bearbeiterin für diese Anfrage zur Zeit krank ist. Sie wird sich
nach Ihrer Rückkehr direkt mit Ihnen in Verbindung setzen. Wir danken für
Ihr Verständnis und verbleiben
mit freundlichen Grüßen


Ich habe nun zurückgeschrieben, dass ich nicht verstehe, warum nicht alle Mitarbeiter der Firma - vor allem die offiziell benannte Ansprechpartnerin - meine Email nicht direkt beantworten kann. Weiterhin habe ich den Namen der benannten „Bearbeiterin” erbeten.

Schau’n wir mal was zurück kommt.
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Das allwissende Internet? Haha!

Vor allem in der Presse wird man immer wieder die Allwissenheit des Internets angedeutet. Schließlich verknüpft es Millionen (Milliarden?) von Menschen, davon gibt ein guter Prozentsatz seinen „Senf” zu allen möglichen Themen.

Da sollte man doch erwarten können, etwas mehr Hilfe bei der Auswahl eines neuen Kühlschranks zu bekommen. Sollte man denken. Ist aber nicht so.

Das Problem liegt meiner Meinung darin, dass das Internet heutzutage primär als Gelddruckmaschine gesehen wird. In den Anfängen war das natürlich anders - da konnte man überhaupt kein Geld im Internet verdienen, also gesellten sich hauptsächlich Leute mit einer Opensource-Lebenseinstellung zusammen, um Ideen und Informationen auszutauschen.

Heute wird das Internet - zumindest in der westlichen Welt - von Google dominiert. Keine Suche ohne Google (meint man zumindest). Google ist aber ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Das merkt man sehr schnell, wenn man die Marke, die Modellnummer eines bestimmten Kühlschranks und das Wort „Test” in die Suchmaske eingibt.

Seiten und mehr Seiten von Einträgen, die alle die besagte Information anpreisen; hinter fast jeder dieser Hits verbirgt sich aber entweder eine Preissuchmaschine oder eine „getarnte Preissuchmaschine” wie Ciao.de.

Am meisten irritieren mich die Hits, die auf Websites zeigen die ich jetzt mal „Schmarotzer” nenne. Das sind die Blutegel der Neuzeit. Wie diese „gefüttert” werden ist mir unklar, aber eindeutig erhalten sie die Suchanfrage von Google und bauen spontan eine „Informationsseite” dazu zusammen.

Diese Seiten beinhalten meist keinerlei Information zu dem eigentlich gesuchten Produkt (das dann groß in der Überschrift steht), sondern jede Menge (voraussichtlich bezahlte) Links zu anderen Produkten oder Dienstleistungen, die meist wenig oder gar nichts mit der Originalsuche zu tun haben.

Eigentliche Informationen zu dem Modell, idealerweise von einem Besitzer geschrieben, findet man äußerst selten - und dann meist auf Seite 4 der Google Hitliste. Auch Ciao.de, sonst eine gute Adresse in meinen Augen, versagt hier häufig.
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Stuttgart 21 - Ende der Demokratie?

Die Gegner des Projekts Stuttgart 21 beschweren sich über den Verlust der Demokratie. Es wird demonstriert. Es werden alle möglichen Aussagen über Unzulänglichkeiten des Projekts gemacht. Es soll gestoppt werden. Als gebürtiger Stuttgarter und ehemaliger Stuttgart-Anwohner möchte ich jetzt meine Meinung dazu geben.

Liebe Stuttgart 21 Gegner, Ihr seid es, die die Demokratie untersagt. Stuttgart 21 ist lange geplant - mindestens 15 Jahre. Es gab eine sehr interessante Ausstellung dazu im Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs, so dass man zur Planeinsicht nicht einmal aufs Rathaus musste. Der Planungsprozess, der in Deutschland nicht nur für private Bauvorhaben, aber vor allem für öffentliche sehr umfangreich ist.

Ich wohnte damals in Stuttgart; durch meinen Beruf hatte ich auch einen Reprografie-Dienstleister als Kunde, der einen Teil der Ausschreibung gewonnen hatte. Somit hatte ich ggf. etwas mehr Einblick in das Voranschreiten des Projekts als der durchschnittliche Zeitungsleser.

Es gab in der Planungsphase keinerlei Gegenmaßnahmen. Ganz Stuttgart war eindeutig von dem Projekt begeistert.

Und jetzt? Sind die Schwaben plötzlich aus einem Dornröschenschlaf aufgewacht? Befragt man den Durchschnitts-Demonstranten, bekommt man sehr lapidare Antworten auf das eigentliche Problem, das die Projektgegner eigentlich haben. Fazit für mich: hier wird einmal mehr - und das sehr professionell - aus hohen, unbekannten Kreisen Stimmung gemacht und viele lassen sich durch intelligent gemachten Spin mitreissen.

Allerdings sind es meiner Meinung nach die Projektgegner, die hier die Demokratie unterwandern. Der demokratische Prozess wurde befolgt und abgeschlossen. Das Projekt jetzt in Frage zu stellen ist Heuchelei und Meuterei. Mein Vorschlag: sollen die Projektgegner sich registrieren lassen, damit die Mehrkosten, die durch diese unlauteren Proteste entstehen (und sie dürften sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen) unter sich aufteilen.

Ich, als demokratiebewußter Steuerzahler, habe keine Lust und auch keinen Anlass, diese Mehrkosten zu tragen.
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Bettlerei in Frankfurt Hbf

Es ist Monate her dass ich nach Frankfurt Hbf gekommen bin - meine Reisen führen üblicherweise zu bzw. über Frankfurt Flughafen.

Auf der Hin- sowie Rückfahrt ist mir ziemlich negativ aufgefallen wie viele Leute hier nach Geld betteln. Auf den Gleisen sind es meist Frauen; steht man länger am Bahnsteig (z.B. weil die Bahn einmal wieder spät dran ist), wird man auch mehrfach mit aufgehaltener Hand aufgefordert.

Auf der Verbindung vom Hbf nach Langen ging das sogar im Zug los, allerdings war es hier ein Mann der eine kleine Zeitung „verkaufte”.

Die Bahn scheint gegen diese Belästigung nichts zu unternehmen. Somit kann man davon ausgehen dass dieses Phänomen nicht abnehmen wird...
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Pellets, oder: wie werden wir noch vereimert?

Holzpellet-Öfen werden in Deutschland seit ca. den 1990’er Jahren in Großserie angeboten. Was originell sicher ein gutes Konzept für die Verwendung nahe am Ursprungsort war, hat sich zu einer echten Marketingveranstaltung gemausert.



Pelletheizung: als wir 1998 unser erstes Haus kauften und nach einem Ofen für das Wohnzimmer suchten, war dies das unentdeckte “Unwort” des Jahres. Wir schauten uns die verschiedenen Öfen an - z.T. wirklich witzige Geräte mit Thermostatsteuerung und allem möglichen Schnickschnack.

Seit diese Heizart angeboten wird, wirbt man für ihre “Umweltfreundlichkeit”. Schließlich kommen die Pellets aus Österreich und werden aus Abfall, nämlich dem Sägemehl der österreichischen Holzindustrie, gefertigt. Und das noch in Pressen, die 6 Monate im Jahr brach stehen: nämlich die für Nagetierfutter.

So wurde uns das damals präsentiert. Wir haben keinen Pelletofen gekauft. Das war auch gut so.

Zum einen vergißt man sehr rasch (oder weiss es gar nicht), dass in der Holzindustrie spezielle Holzmehlöfen für die Heizung der Produktionsanlagen einsetzt. Oder: einsetzte. Denn das ganze Sägemehl wird ja jetzt gepresst und als Pellets verkauft. Wie werden diese Hallen denn nun beheizt? Sicherlich nicht mit Holzscheiten.

Ach ja: wie kommen eigentlich die Pellets von Österreich nach Deutschland? Doch nicht etwas per Lastwagen? Wahrscheinlich werden hier schon 10% der Heizkraft alleine in Dieselkraftstoff verbraten...

Die absolute Krönung ist mir heute aufgefallen: entlang der Bahntrasse südlich von Bühl/Baden steht ein Werk der Firma “German Pellets”. Hier werden Pellets für einen Teil des deutschen Marktes hergestellt. Was sieht man, wenn man dieses Werk im Vorbeifahren anschaut? Ja, einen mittelgroßen Berg Sägemehl, aber ansonsten nur gigantische Mengen an Holz.

Fazit: die Menge an Pellets, die Österreich liefern kann ist inzwischen - durch gutes Marketing der Hersteller von Pelletöfen - sicherlich nur ein Bruchteil des Bedarfs - der Rest wird nun aus Holzschaiten erzeugt. Diese werden natürlich erst einmal zermahlen, um Holzmehl für die Presse zu erzeugen. Dafür benötigt man ziemlich viel Energie.

Das voraussichtlich Fazit: der “grüne” Brennstoff Holzpellets ist - wie so vieles - eher ein sehr schwarzes Schaf im ökologischen Sinn.
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