Hans D. Baumeister

Hans D. Baumeister

SternTV - Typischer Sensationsjournalismus

Im gestrigen Beitrag “135 Tage zum Schutz der Wale” ging es um u.a. zwei Deutsche, die unter der Flagge der Organisation Sea Shepherd mithalfen, die japanische Walfangflotte bei ihrer gruseligen, als “Research” getarnten Arbeit zu stören.

Leider war ich einmal wieder von der miserablen Qualität des SternTV-Journalismus enttäuscht. Zum einen kann ich mir nicht vorstellen, dass es in 4 Monaten auf See zu nicht mehr als den geschätzten 10 Sekunden Film, die während dem gesamten Beitrag ständig wiederholt wurden, gekommen ist kann ich mir nicht vorstellen.

Natürlich ist das arg, wenn ein Schiff sich zwischen Tanker und Walfänger setzt und dann auf der Breitseite getroffen wird; bei Wellengang wird sich das übrigens kaum vermeiden lassen - die Organisation kann sich wahrscheinlich glücklich schätzen, wenn sie von den Japanern nicht vor dem Seegericht verklagt wird, wegen gefährlichen Manöver auf See.

Im Interview kam dann schon fast zufällig auf, dass Herr Jost studierter Japanologe ist; seine Aufgabe war wohl, den Funkverkehr der Walflotte abzuhören um den Schafhirten eine bessere, taktische Position zu geben. Warum hat Herr Hallaschka ihn nicht zu den Hintergründen des japanischen Walfangs befragt? Oder wie man ggf. die japanische Gesellschaft über Propaganda und Aufklärung dazu bringen könnte, vom Verzehr des Produkts abzusehen? Schließlich gilt auch hier: kein Markt, kein Walfang.

Interessant hätte ich auch eine Information zu der Organisation Sea Shepherd gefunden. Da von mehreren Schiffen die Rede war und da der ständig wiederholte Filmclip eindeutig von einem anderen Schiff der Sea Shepherd Flotte gedreht wurde, würde mich schon interessieren wo die Finanzierung dafür herkommt. Schiffe dieser Art (das ist eine Heli-Plattform hinten!) dürften im 2-stelligen Millionenbereich liegen; das nur über Spenden von Privatbürgern zu finanzieren sehe ich als schwierig an, wer steckt noch dahinter?

Einmal wieder bekam ich frontal (kleines Wortspiel) präsentiert, warum die GEZ-Gebühr vielleicht doch nicht so nervig ist; trotz Werbefinanzierung schafft es RTL leider nicht, einen Journalismus zu präsentieren, der es über nervigen Sensationsjournalismus hinaus schafft.
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Die Zukunft deutscher Zeitschriftenverlage

Tablets wie das iPad sind ja eigentlich ganz hervorragend geeignet, um digitale Inhalte wie z.B. Zeitschriften zu lesen. jeder Verlag scheint eine App anzubieten, über die z.T. kostenlos oder aber gegen eine Gebühr aktueller Content des Verlags abgerufen und auch offline gelesen werden (bei den meisten Apps, zumindest).

Soweit die Theorie. In der Realität sind viele der Apps lediglich “Darstellungsmaschinen” der starren Inhalte aus dem Satzprogramm des Verlags. Es wird besser, aber nur langsam.

Um so mehr war ich interessiert an einem Testabo des vor kurzem ins Programm des Spiegel Verlags genommene US-Magazin “New Scientist”: 3 Ausgaben des gedrucken Ausgabe + 3x der Inhalt für eine entsprechende App. Bestellt war das Probeabo im Handumdrehen.

Heute kamen gleich zwei Emails (mit der selben Kundennummer aber unterschiedlichen Auftragsnummern) - auf den ersten Blick dachte ich schon es wäre bei der Bestellung etwas schief gegangen und die Bestellung wäre zweimal registriert worden. Tatsächlich scheint es aber für die Printausgabe und die Elektronische separate Auftragsnummern zu geben (warum versteht wahrscheinlich nur ein Verleger).

Darin stand, man solle sich online ein Konto einrichten und die Kundennummer dort eingeben (warum gibt es dafür nicht einfach einen Link???). Außerdem sei die Lese-App im iTunes Store zu laden.

Leider, leider hat auch der Spiegel-Verlag nicht kapiert, wie ein Kunde mit iPad funktioniert. Einen Link zum iTunes-App-Angebot in eine Email zu packen ist ja wohl kein Problem. Das macht jeder so, nur Spiegel nicht. Es wird nicht einmal der Name der App erwähnt. Weder die Suche nach “New Scientist”, “New-Scientist” oder “Spiegel” hat das richtige Ergebnis geliefert.

Auch online (www.new-scientist.de), wo man ein Konto einrichten und seine Kundennummer manuell eingeben soll, gibt es keinen Link zur App. Gibt man seine Kundennummer ein und klickt dann auf “meine Abos” kommt eine Fehlermeldung: “Sie haben keine Abonnements abgeschlossen”.

Auf der Art und Weise wird das nix mit Publishing 2.0 in Deutschland!
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Kleinlichkeit hoch 3

Das ist echt ein Witz: Als echter Tatort-Fan ist mir aufgefallen, dass Kommissar Borowski aus Kiel ein ziemlich ungewöhnliches Mobiltelefon verwendet - es hat eine Ausziehantenne und ein Mikro, dass als Stiel aus der Unterseite des Telefons klappt.

Also wollte ich wissen, was das wohl für ein Gerät sei. Eine Suche in Google hat effektiv nichts ergeben, also wandte ich mich an die auf tatort.de angegebene Kontaktadresse für die Kieler Episoden mit meiner Anfrage.

Hier die Antwort-Email (den Namen habe ich unleserlich gemacht)… kleinlicher geht es wohl kaum, oder?
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Sehr geehrter Herr Baumeister,
vielen Dank für Ihre Anfrage und das Interesse an unserem Programm.

Leider können wir Ihnen das Fabrikat des Handys nicht nennen. Die Unterlagen befinden sich bei unserer Produktionsfirma. Zum anderen ist es uns in Zeiten massiver Vorwürfe wegen "Schleichwerbung", Markenwerbung, Bestechung durch die Industrie etc. leider nicht gestattet, solche Informationen weiterzugeben. Im Gegenteil - wir bemühen uns, gar keine Marken erkennen zu lassen und benutzen daher auch oft ältere Fahrzeuge und "No-Name" Geräte bzw. nachgemachte Exemplare. Vielleicht finden Sie im Fachhandel ein ähnliches Exemplar.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

S. K.
__________________________
NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Fernsehfilm / Kino und Theater
Hugh-Greene-Weg 1
22529 Hamburg
Tel.: 040 - 4156 5785
Fax: 040 - 4156 6447
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Neue Messe: "Lorem Ipsum"

Da die Tage fast alle Hotels in Augsburg ausgebucht waren, habe ich heute morgen nachgesehen, welche Messe gerade in Augsburg “tobt”. Dabei bin ich auf diese lustige Information auf der Homepage der GrindTech gestossen - da hat wohl jemand “gepennt”:

GrindTech1

Es scheint aber jemand bemerkt zu haben - heute Nachmittag war dann dies zu lesen:

GrindTech2

Sinnvoller Inhalt und 2 Jahre gesprungen…
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Das allwissende Internet? Haha!

Vor allem in der Presse wird man immer wieder die Allwissenheit des Internets angedeutet. Schließlich verknüpft es Millionen (Milliarden?) von Menschen, davon gibt ein guter Prozentsatz seinen „Senf” zu allen möglichen Themen.

Da sollte man doch erwarten können, etwas mehr Hilfe bei der Auswahl eines neuen Kühlschranks zu bekommen. Sollte man denken. Ist aber nicht so.

Das Problem liegt meiner Meinung darin, dass das Internet heutzutage primär als Gelddruckmaschine gesehen wird. In den Anfängen war das natürlich anders - da konnte man überhaupt kein Geld im Internet verdienen, also gesellten sich hauptsächlich Leute mit einer Opensource-Lebenseinstellung zusammen, um Ideen und Informationen auszutauschen.

Heute wird das Internet - zumindest in der westlichen Welt - von Google dominiert. Keine Suche ohne Google (meint man zumindest). Google ist aber ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Das merkt man sehr schnell, wenn man die Marke, die Modellnummer eines bestimmten Kühlschranks und das Wort „Test” in die Suchmaske eingibt.

Seiten und mehr Seiten von Einträgen, die alle die besagte Information anpreisen; hinter fast jeder dieser Hits verbirgt sich aber entweder eine Preissuchmaschine oder eine „getarnte Preissuchmaschine” wie Ciao.de.

Am meisten irritieren mich die Hits, die auf Websites zeigen die ich jetzt mal „Schmarotzer” nenne. Das sind die Blutegel der Neuzeit. Wie diese „gefüttert” werden ist mir unklar, aber eindeutig erhalten sie die Suchanfrage von Google und bauen spontan eine „Informationsseite” dazu zusammen.

Diese Seiten beinhalten meist keinerlei Information zu dem eigentlich gesuchten Produkt (das dann groß in der Überschrift steht), sondern jede Menge (voraussichtlich bezahlte) Links zu anderen Produkten oder Dienstleistungen, die meist wenig oder gar nichts mit der Originalsuche zu tun haben.

Eigentliche Informationen zu dem Modell, idealerweise von einem Besitzer geschrieben, findet man äußerst selten - und dann meist auf Seite 4 der Google Hitliste. Auch Ciao.de, sonst eine gute Adresse in meinen Augen, versagt hier häufig.
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Peinlich, peinlich: Übersetzungsfehler in deutschen Medien

Ein Podcast des Bayrischen Rundfunks aus der Serie RadioWissen zum Thema Genetik übersetzte eine Aussage des amerikanischen Biochemikers James Watson:

"...if we can find out what the mistake is in the instructions, maybe we can cure it" mit "wir können nachschauen wo die Fehler sitzen und sie ausschalten". Es ging hier um das Thema  genetische Fehler / Krankheiten.

Der Übersetzungsfehler ist so extrem, dass sogar ein Sechstklässler in der Lage sein sollte, ihn zu finden. Die fehlerhafte Übersetzung wird noch unterstrichen mit einer unterschwelligen Anspielung, dass diese Ansicht ggf. doch etwas zu einfach sei.

Fehler dieser Art geschehen häufig und in allen Medien: Radio (Podcast), Fernsehen (vor allem in den Nachrichten) sowie in den Druckmedien. Peinlich wird es meiner Auffassung nach vor allem dann, wenn der Originaltext noch mitgeliefert wird. 

Warum ist das so? Sind die Übersetzer deutscher Medienanstalten so schlecht? Oder steckt Absicht dahinter? Im obigen Beispiel werden Fakten extrem verdreht - von einer klaren Aussage "wenn wir in der Lage sind die Fehler in der (DNA) Anleitung zu finden, könnten wir diese Krankheiten eventuell heilen" zu einer Aussage die z.B. Menschen mit Gendefekten durchaus falsche Hoffnung machen könnte. In meinen Augen ist eine solche Fehlübersetzung ein erheblicher Mangel. 

Da der Fehler in einem Podcast einer Radiosendung verteilt wurde, bestand durchaus einige Zeit um diesen zu bemerken (bzw. vom Publikum darauf hingewiesen zu werden) - weder noch ist anscheinend geschehen.

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